Innovation und Verantwortung

Bericht

Die Kölner „AI Music Conference“ zwischen Begeisterung und Bedenken

Künstliche Intelligenz ist schon lange keine Zukunftsmusik mehr, sondern fester Bestandteil unseres täglichen Lebens. Angesichts 75.000 neuer AI-Tracks pro Tag alleine auf der Plattform Deezer wird das Thema auch in der Musik viel diskutiert. Im Rahmen der SoundTrack_Cologne, einer jährlich stattfindenden Tagung für Filmmusik, Sounddesign und Medienmusik, fand die dritte AI Music Con im Comedia Theater Köln statt. Dabei stellten sich Komponist:innen, Produzent:innen und weitere Akteur:innen aus der Produktions- und Medienmusik die Frage, welche Bedeutung KI für die Musik hat – innovatives Tool oder doch eine Bedrohung für die Arbeit der Musikproduzent:innen? Einen ganzen Kongresstag lang stellten Keynotes, Diskussionen und Workshops Fragen rund um KI in der Produktionsmusik, und nach deren künftiger Rolle darin. Ist KI ein kreatives Werkzeug, wirtschaftliche Chance oder Bedrohung für das Berufsbild von Musikschaffenden? Das erklärte Ziel: den anfänglichen Hype hinter sich lassen und stattdessen sachlich und faktenbasiert über Chancen, Risiken, kreative Anwendungsmöglichkeiten und die Integration von AI-Tools in den Arbeitsalltag der Musikbranche nachzudenken.

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JAKOBI AI Music Conference, Vortrag von Francisco Tigre Moura, Foto: Rainer Nonnenmann

Der Wert menschengemachter Kunst

Einen der interessantesten Programmpunkte bot der Roundtable „Rights Attribution for AI Works", bei dem Michael Duderstädt (GEMA), Helienne Lindvall (ECSA) und Dennis Engbrink (Head of Media and Entertainment in der Rechtsanwaltskanzlei Zirngibl in Berlin) über die Möglichkeiten der rechtlichen Absicherung von Komponist:innen und Nutzer:innen diskutierten. Duderstädt eröffnete die Runde mit einem kurzen Vortrag zu „Licensing, Litigation, Legislation“ und erläuterte den Status Quo zum Thema Urheberrecht in der Musik und dessen Sicherung aus Perspektive der Verwertungsgesellschaft GEMA, die bereits OpenAI erfolgreich wegen Urheberrechtsverletzung verklagt hat und sich aktuell in einem weiteren Prozess am Landgericht München gegen den AI Music Generator Suno befindet.

Lindvall positionierte sich früh und pointiert: „We’re not against AI, we're against unlicensed AI.” Ein Satz, der auf den ersten Blick nach Differenzierung klingt und der zugleich die eigentliche Streitfrage elegant umschifft: die Frage nach dem Wie? Denn zwischen „gegen unlizenzierte KI sein" und einer tatsächlich funktionierenden Lizenzarchitektur liegt bekanntlich der ganze Sumpf aus Trainingsdaten, Vergütungsmodellen und der Frage, wer in dieser Kette überhaupt noch als Urheber:in zählt. Als Lösungsvorschlag fiel der Begriff der „ethically trained AI" – ein Modell, bei dem KI-Systeme nur mit lizenzierten, korrekt vergüteten Werken trainiert werden. Charmant in der Theorie, aber die Frage, wie sich das angesichts globaler, längst trainierter Modelle und einer Industrie, die sich bislang wenig um Lizenzfragen geschert hat, praktisch durchsetzen lässt, blieb im Raum stehen.

Engbrink brachte die eigentlich unbequeme Frage auf den Punkt: „What‘s the value of human creation?“ – eine Frage, die schon fast philosophisch klingt, tatsächlich aber der Kern jeder Vergütungsdebatte ist. Denn solange nicht geklärt ist, was menschliches Schaffen im Verhältnis zu KI-generierten oder KI-unterstützten Werken überhaupt noch wert ist – ökonomisch, nicht nur ideell –, bleibt jedes Lizenzmodell Stückwerk. Das Panel bewegte sich in dem für solche Runden typischen Korridor: Einigkeit im Grundsätzlichen, aber Unschärfe in der konkreten Umsetzung eines rechtlichen Rahmens bei der Verwendung von KI. Den Hype hinter sich zu lassen gelang in der Rights-Attribution-Runde streckenweise, blieb aber am entscheidenden Punkt stehen: Wer trägt die Beweislast, wer zahlt, und wer definiert, was „ethisch trainiert" überhaupt heißt? Diese Fragen wurden benannt, nicht beantwortet.

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AI Music Conference, Vortrag von Michael Duderstädt, Foto: Rainer Nonnenmann

Blick in die Zukunft

Trotz aller Unschärfen in der Rechtsdebatte zeigt sich bei den Musikschaffenden immer wieder auch Neugier auf die möglichen Anwendungen künstlicher Intelligenz. Im Panel „AI and Future“ wurden verschiedene Tools vorgestellt. Zunächst demonstrierte Ilya Tolchenov, CEO und Mitbegründer von Delphos, einer KI-Technologie zur Unterstützung bei der Komposition für professionelle Komponist:innen, Songwriter:innen und Produzent:innen. Tolchenov entwickelt seit fast einem Jahrzehnt skalierbare und generative Musiktechnologie und gilt als Experte für den Umgang mit symbolischen Musikdaten. Anschließend gab Yevgeni Birkhoff einen Einblick in noch unveröffentlichte KI-Anwendungen, welche die Arbeit der Komponist:innen künftig unterstützen könnten, wie beispielsweise ein KI-Tool, das anhand einer kurzen Sprachaufnahme und deren Transkription eine verständlichere Version erstellen kann. Das Publikum verfolgte die Vorstellungen mit großem Interesse, zeigte sich aber auch kritisch. Ein Gefühl der Indifferenz gegenüber der KI und deren Entwicklung zog sich auch durch dieses Panel.

Sachlich, neugierig, ungelöst

Am Ende blieb von der AI Music Con 2026 vor allem ein Widerspruch, der sich nicht auflösen ließ und der wohl auch nicht so schnell aufgelöst werden kann: Die Branche ist neugierig auf das, was KI leisten kann, und misstrauisch gegenüber dem, was sie bereits leistet, ohne dass jemand dafür geradesteht. Zwischen rechtlicher Nüchternheit und technischen Visionen, bewegten sich die Panels in demselben Korridor, blieben aber recht oberflächlich: Einigkeit besteht im Grundsätzlichen, KI ist da und omnipräsent, Regulierung ist nötig, niemand möchte Kreative enteignen, wie es die großen Digitalkonzerne tun. Doch im Konkreten blieb vieles unscharf. Selbst dort, wo mit neuen AI-Tools handfeste, funktionierende Anwendungen auf der Bühne standen, blieb im Publikum jenes Gefühl der Indifferenz spürbar, das schon die Rights-Attribution-Runde geprägt hatte – als wüssten alle Beteiligten, dass Begeisterung und Bedenken einander nicht ausschließen, sondern gerade in dieser Kombination die eigentliche Realität abbilden. Allerdings zeigte die AI Music Con, dass wir genau das brauchen, um durch die sich täglich weiterentwickelnde Welt der künstlichen Intelligenzen zu navigieren: Neugier, Vorsicht und proaktives Handeln, Ausprobieren und kritisches Hinterfragen.

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